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12.09.2013:
Müngstener Brücke bleibt wegen zusätzlicher Sanierungsarbeiten gesperrt

Schlechter Zustand eines tragenden Bauteils verzögert Abschluss des aktuellen Bauabschnitts • Schienenersatzverkehr wird fortgesetzt


Bei der Sanierung der mehr als 100 Jahre alten Müngstener Brücke löst der schlechte Zustand tragender Bauteile Verzögerungen aus. Daher kann der aktuelle Bauabschnitt nicht wie vorgesehen am 3. November abgeschlossen werden. Eine von der DB Netz geprüfte Fortführung der Arbeiten bei Wiederaufnahme des Verkehrs scheidet aus technischen Gründen aus. Deshalb muss der Schienenersatzverkehr bis auf Weiteres fortgesetzt werden. Die betroffenen Eisenbahnverkehrsunternehmen, Aufgabenträger und Kommunen hat die DB Netz kurzfristig informiert.

Bei den beschädigten Bauteilen handelt es sich um einige sogenannte Kopfplatten. Sie liegen verborgen inmitten der Brückenkonstruktion und werden erst bei der aktuell laufenden Demontage alter Teile Stück für Stück sichtbar.

Auf den bis zu ein Quadratmeter großen Kopfplatten aus Stahl ruht die obere Brückenkonstruktion, von Fachleuten Fahrbahnbrücke genannt, mit Gleisen, Geländern und den Verbindungsstücken zu den darunter liegenden Brückenträgern. Die Kopfplatten müssen künftig die 700 Tonnen schwere, neue Fahrbahnbrücke tragen und bilden das Bindeglied zum unteren, historischen Brückenteil. Bislang sind 48 der insgesamt 126 Kopfplatten freigelegt, untersucht und von Fachleuten beurteilt worden. Fünf dieser Platten müssen nach jetzigem Kenntnisstand saniert werden, die DB Netz geht davon aus, dass weitere Erneuerungen notwendig sind. „Auch wenn wir nur einige, wenige Kopfplatten mit speziell zugeschnittenen Stahlblechen verstärken oder eventuell austauschen müssen, werden dadurch komplizierte und langwierige zusätzliche Arbeitsschritte notwendig“, erläutert Bauherr Michael Käufer von der DB Netz.

So müssen zum Beispiel bei jeder defekten Kopfplatte zwei auf der Platte fest vernietete, rund neun Meter lange, gekreuzte Stahlträger gelöst, ausgebaut und nach der Sanierung der Platte neu verschraubt werden. Zudem sind zusätzliche Reinigungs- und Korrosionsschutz-Arbeiten an den Kopfplatten und allen Anschlussteilen notwendig. Die vor Beginn der Sanierung durch ein externes Planungsbüro durchgeführte Bauwerksuntersuchung habe keine Hinweise auf beschädigte Kopfplatten ergeben, so Käufer: „Daher haben wir zwar die üblichen Puffer für Unvorhergesehenes eingeplant, aber extrem aufwändige Arbeiten an Kopfplatten im Zeitplan nicht berücksichtigt.“

Derzeit kann die DB keinen neuen Zeitplan nennen, da die Dauer der Bauverzögerungen noch nicht endgültig abzusehen ist. Wann wieder Züge über die Brücke fahren können, hängt unter anderem davon ab, in welchem Umfang Schäden an den noch nicht freigelegten Kopfplatten entdeckt werden. Auch die Witterungsverhältnisse im kommenden Winter spielen eine Rolle: Bestimmte Stahl-, Schweiß- und Korrosionsschutzarbeiten an den Kopfplatten können bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht ausgeführt werden. Die Deutsche Bahn wird kontinuierlich über den Fortgang der Arbeiten informieren.

Bereits Mitte August hatte die Deutsche Bahn gegenüber Medien Probleme mit den Kopfplatten auf der Müngstener Brücke bestätigt. Schon damals wurde darauf hingewiesen, dass gesicherte Aussagen über die Auswirkungen der Schäden erst nach Freilegung aller Platten möglich sind. Inzwischen haben eingehende Untersuchungen jeder einzelnen offengelegten Kopfplatte ergeben, dass bereits die Sanierung der bis jetzt entdeckten fünf beschädigten Platten zu erheblichen Zeitverzögerungen führen wird.

Die DB Netz bittet die Bahnkunden und die betroffenen Eisenbahnverkehrsunternehmen um Verständnis für die durch die Bauverzögerung verursachten Unannehmlichkeiten. Die zusätzlichen Arbeiten müssen jetzt ausgeführt werden, damit die Müngstener Brücke am Ende wie geplant rundum saniert für mindestens weitere 30 Jahre sicher für den Bahnverkehr genutzt werden kann.

Im Zuge der umfassenden Sanierung der unter Denkmalschutz stehenden höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands wurden bereits rund 300 Tonnen Stahl demontiert, darunter 92 bis zu 7,50 Meter lange Träger, etwa 500 Eisenbahnschwellen und rund 700 Meter Schienen. Mehrere neu angefertigte Bauteile liegen in den Werken zur Anlieferung bereit. Seit September läuft die Vormontage der ersten Brückenteile vor Ort. Rund 5.000 Quadratmeter Gerüste wurden an der Brücke errichtet. Zudem ist eigens für die technisch komplizierten Arbeiten an der Müngstener Brücke ein schwerer Spezialkran gebaut worden. Er ist bereits auf den Schienen vor der Brücke befestigt und kann nach Abschluss der nun notwendigen zusätzlichen Arbeiten sofort zur Montage schwerer Brückenteile eingesetzt werden.


Quelle: Deutsche Bahn AG

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