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28.10.2015:
Layher bietet beim Bau der Schiersteiner Brücke einen effizienten und sicheren Höhenzugang

Mit einer Länge von 1.280 Metern handelt es sich bei der vierspurigen Schiersteiner Brücke als Teil der A 648 um die längste hessische Straßenbrücke. Doch die Verkehrsverbindung zwischen Mainz und Wiesbaden hat sich inzwischen für Pendler – besonders im Berufsverkehr – zum Nadelöhr entwickelt. Grund sind enorme Rückstaus, die infolge eines Tempolimits von 60 Kilometern pro Stunde entstehen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung soll die dynamische Belastung auf die Schweißnähte der Rheinbrücke reduzieren. Denn: Wie so viele andere Brücken in Deutschland ist auch die Schiersteiner Brücke trotz umfassender Instandsetzung kurz vor der Jahrtausendwende marode – ein Neubau unumgänglich. Als Ersatz entsteht nun eine sechsspurige Brücke mit zwei parallelen Überbauten. Im Herbst 2013 erfolgte der Spatenstich, seitdem wird die erste Brückenhälfte gebaut. Diese ist mit rund 22 Metern, drei Spuren, einem Standstreifen und einem Rad- und Gehweg etwa so breit wie die heutige Brücke und soll vorrübergehend den gesamten Verkehr aufnehmen, so dass – voraussichtlich Ende 2017 – die alte Brücke abgerissen und der Bau der zweiten Brückenhälfte begonnen werden kann. Die Fertigstellung ist für 2020 geplant.

Zwölf Pfeilerpaare sind für den Neubau nötig. Als Überbau kommen – teilweise gevoutete – Stahlhohlkästen in Trapezform zum Einsatz. Diese vorgefertigten Stahlelemente werden an Land auf einer Schwerlastkonstruktion abgesetzt, miteinander verschweißt und anschließend über den Pfeilerpaaren in Position gebracht. Notwendig für die Schweißarbeiten sind zum einen Baustellenzugänge und zum anderen Arbeitsgerüste unterhalb, seitlich und innerhalb der Stahlhohlkästen. Für die Großbaustelle stehen dabei zwei Faktoren im Fokus: Ein effizienter Baufortschritt zur Einhaltung des engen Zeitplans sowie eine exakte Anpassung an die komplexen Formen für ein sicheres Arbeiten der verschiedenen Gewerke.

Die Lösung für die Gerüstersteller von Max Bögl als Teil der ARGE ist eine integrierte Systemlösung: das modular aufgebaute AllroundGerüst von Layher. Vier Grundbauteile in verschiedenen Standardlängen – vertikale Stiele, horizontale Riegel, Diagonalen und Böden – sowie je nach Anwendung wenige Ausbauteile garantieren nicht nur eine optimale Geometrieanpassung, sondern auch eine breite Anwendungsvielfalt. Das Leistungsspektrum reicht von Trag-, Betonier- und Bewehrungsgerüsten über Treppenzugänge und Überbrückungen bis hin zum klassischen Arbeitsgerüst. Der Anschluss der Gerüstbauteile erfolgt über die schnelle Keilschloss-Verbindungstechnik ohne Verlierteile – ein klarer Vorteil gegenüber Konstruktionen aus Rohren und Kupplungen. Vor dem Start wurden die Mitarbeiter von Max Bögl am Layher Stammsitz in Eibensbach von praxiserfahrenen Seminarleitern umfassend für die herausfordernden Gerüstbauarbeiten geschult. Wichtig für einen reibungslosen Auf- und Abbau der Gerüste ist angesichts der komplexen Geometrien außerdem eine detaillierte Vorplanung. Hier stehen Max Bögl die Layher Anwendungsingenieure zur Seite, die für jedes Projekt immer die optimale Lösung finden. Mithilfe einer 3D-Planung ist es möglich, die einzelnen Gerüste optimal an die Bauwerksgeometrie anzupassen und Kollisionen mit Hindernissen schon im Vorfeld zu vermeiden.

Bei den bis zu 60 Meter langen und ca. 12 Meter hohen Raumgerüsten unterhalb der Stahlhohlkästen werden zum Umbauen der Schwerlastkonstruktionen beispielsweise einfach die Feldlängen variiert. Da Böden beim AllroundGerüst nur in den Arbeitslagen – in diesem Fall in der obersten – erforderlich sind, ist eine materialsparende Montage ebenso sichergestellt. Die fassadenartigen Gerüste neben den Stahlhohlkästen müssen sich dagegen der Bogenform der Brücke anpassen. Durch die verschieden langen Vertikalstiele des Allround-Systems ist ein Höhenausgleich ebenfalls mit Serienteilen möglich. Für die Arbeitsgerüste innerhalb der Stahlhohlkästen kommen sogar beide Vorteile zum Tragen, da in diesem Fall sowohl die in Längsrichtung verlaufenden Trapezsteifen und die Querschotte mit Aussteifungen als auch die verschiedenen Höhen aufgrund der Vouten zu berücksichtigen sind. Neben den verschiedenen Standardlängen ist der Einsatz einer Allround-Konsole speziell für die Trapezform eine sinnvolle Ergänzung. Zur Minimierung der Brandlast werden für alle Arbeitsgerüste Layher Stahlböden als Arbeitsgrundlage verwendet. Diese sorgen mit ihrer profilierten Oberfläche gleichzeitig für ein rutschsicheres Arbeiten bei widrigen Witterungsverhältnissen.

Eine exakte Geometrieanpassung bei den Arbeitsgerüsten ist aber nur ein Baustein zur Erhöhung der Arbeitssicherheit auf der Baustelle – genauso wichtig sind trittsichere Zugänge. In den Arbeitsgerüsten sind deshalb über die gesamte Länge Rettungswege integriert. Rutschsicherheit ist auch hier durch Stahlböden gegeben. Den Höhenzugang ermöglichen im Hinblick auf Arbeitssicherheit Treppentürme anstelle von Leitern. Je nach Anforderung stehen dafür im Allround-System Ausbauteile zur Verfügung. Als Baustellenzugänge dienen Komforttreppen, eine Weiterentwicklung der bewährten Podesttreppe. Die einteiligen Elemente mit Ein- und Ausstiegspodest gewähren mit ihren 175 Millimeter tiefen, geriffelten Trittstufen ein sicheres Treppensteigen – selbst mit Arbeitsmaterial. Als weiteren Rettungsweg wählten die Verantwortlichen den Allround Bau-Treppenturm 200, der sich aus den Allround-Grundbauteilen, zwei separaten Treppenwangen und Stahlböden als Stufen zusammensetzt. Von Vorteil sind das geringe Gewicht und Volumen der Einzelbauteile, was zu einer schnellen Montage beiträgt, sowie die variablen Treppenbreiten. Auf diese Weise lässt sich eine Breite von 1,40 Metern für den Rettungsweg umsetzen. Der gegenlaufende Aufbau spart zudem Material ein und gewährleistet Kopffreiheit.

Optimale Voraussetzungen für einen schnellen und sicheren Neubau der Schiersteiner Brücke, dabei zählt die bestehende Konstruktion gerade mal gute 50 Jahre. Grund für die leidende Infrastruktur ist das dramatisch gestiegene Verkehrsaufkommen – und insbesondere der Schwerlastverkehr, der beim Bau der Brücke im Jahr 1962 noch nicht abzusehen war. Damals wurde eine Rheinquerung mit täglich 7.100 Kfz prognostiziert, rund 20.000 Kfz für möglich gehalten. Heute donnern 90.000 Fahrzeuge jeden Tag über das Bauwerk. Diese überqueren künftig über die neue Autobahnbrücke nicht nur Deutschlands längsten Fluss, sondern auf Mainzer Seite auch ein außergewöhnliches Naturschutzgebiet. Der 127 Hektar kleine „Große Sand“ ist eine Binnendüne, die vor 12.000 Jahren nach der letzten Eiszeit entstanden sein soll. Auf dem leicht erwärmbaren, trockenen und nährstoffarmen Sandboden wachsen als Reliktflora aus dieser Zeit auch die für hiesige Breiten ungewöhnlichen Steppenpflanzen, die ansonsten nur in südosteuropäischen und innerasiatischen Steppengebieten oder im Mittelmeerraum heimisch sind.






Quelle: Wilhelm Layher GmbH & Co. KG

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